Den Selbstsüchtigen zum Trotz – Nur Mut Lokführer!

Jetzt mal ehrlich: Haben wir vergessen, was Solidarität bedeutet? Die Dämonisierung des GDL-Vorsitzenden (selbst Mitglied der CDU) sowohl medial als auch parteipolitisch ist an Unverfrorenheit nicht zu überbieten. Das Unverständnis der CDU und dergleichen überrascht kaum. Doch dass eine einstige Arbeiterpartei wie die SPD im Kuschelkurs mit ihrem Regierungspartner den Streikenden keinen ideellen Rückhalt gewährt oder ihnen zumindest das Streikrecht zubilligt, ist entrüstend! (Unsere Arbeitsministerin leitet derweil schon die Beschneidung des Streikrechts mit dem Tarifeinheitsgesetz ein.)

Auch die gesellschaftlichen Unmutsbekundungen bezüglich der GDL sind erschütternd und legen ein Armutszeugnis im Hinblick darauf dar, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Bundesrepublik erodiert und der Gemeinsinn zu wünschen übrig lässt.
Wir lassen uns von der deutschen Bahn einlullen, wo doch der Unmut ihnen gegenüber zu erbringen ist. Doch die Marketing-Abteilung der DB arbeitet blendend, um nicht zu sagen ‚verblendend‘.

Ein Streik reißt Interessengegensätze auf. Allein deswegen müssten wir den Lokführern danken. Sie beweisen, dass sie den Mut haben, gesellschaftliche Konflikte anzugehen. Nicht die Lokführer sind egoistisch, sondern jene, die die Belange der Lokführer nicht verstehen. Man vergisst nur zu schnell, dass jenseits der Lokführer jedweder Arbeitnehmer unterlegener Akteur eines permanenten Interessenkonflikts ist.

Der Arbeitnehmer verkauft seine Arbeitskraft auf Zeit und der Arbeitgeber verwertet sie gegen Entgelt. Dieses Tauschverhältnis birgt die latente Gefahr eines Ungleichgewichts – wenn es in einem marktwirtschaftlich organisierten Arbeitsverhältnis nicht schon per se angelegt ist. Wenn nun Arbeitnehmer sich im Rahmen gewerkschaftlicher Strukturen vereinigen und sich gegen Arbeitgeber auflehnen, ist es ihr (verfassungsrechtlich geschütztes) Recht, Bedingungen dafür einzufordern, womit Kapital gemacht wird, nämlich mit Arbeit. In diesem Verhältnis ist ein Arbeitnehmer finanziell stets der Abhängige und der Arbeitgeber der Freie. Um es deutlich zu sagen: Wir vergessen, dass Arbeitnehmer Ausbeutungsware sind. (Nebenbei: in Deutschland haben wir ca. 50 Mio. Erwerbsfähige, davon sind 43 Mio. erwerbstätig.)

Wenn dieser Tage Lokführer streiken, dann streiken sie für alle Arbeitnehmer. Wenn eine Gewerkschaft zum Arbeitskampf aufruft, dann ruft sie im Interesse aller Arbeitnehmer dazu auf. Nur die Zahlen variieren, aber die Lage eines Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber ist immer dieselbe.

Nur Mut Herr Weselsky, bleiben Sie standhaft und unbeugsam!

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Es bleibt abzuwarten, wie das Frankfurter Arbeitsgericht über den Antrag der DB auf einstweilige Verfügung entscheiden wird.

Anmerkung: Am 6. November 2014 bezüglich des angekündigten 4-tägigen Streiks der GDL verfasst und publiziert.

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